Der Weihnachtsschatz
Es war einmal ein Mädchen, das floh in den kalten Winterwald, denn zuhause gab es nur Krach und Streit. Sie suchte nach Ruhe und etwas Hoffnung in der dunklen Winterzeit. Als sie langsam und traurig durch den Schnee stampfte, da begegnete ihr plötzlich ein Dachs: «Hallo, liebes Mädchen», sagte er, «du betrittst hier einen Zauberwald, komm zu meiner Grube, ich habe etwas für dich». Das Mädchen folgte ihm und der Dachs überreichte ihr eine kleine Holzkiste mit einem Schloss. Das Schloss liess sich öffnen und darin befand sich ein gelber Edelstein. Die Augen des kleinen Mädchens weiteten sich und es fragte den Dachs: «Was ist das für ein Stein?» Der Dachs antwortete: «Trag ihn in der Nähe deiner Brust, er bedeutet Dankbarkeit.»
Das Mädchen tat wie ihm geheissen und ging weiter durch den Wald. Sie versuchte sich an Dinge zu erinnern, für die sie dankbar war, z.B. dafür, dass sie zuhause in der Familie immer herrlich duftende Guetzli backten. Sie lächelte und plötzlich blinkte etwas im Gebüsch. Es war ein hellblauer Stein, die Elster hatte ihn im Schnabel. «Was ist das für ein Stein?», wollte das Mädchen wissen. Die Elster machte den Schnabel auf und der Edelstein fiel dem Mädchen in den Schoss: «Diesen Stein sollst du am Hals tragen, er gibt dir eine klare Stimme, damit du dich durchsetzen kannst, wenn es an der Zeit ist.»
Das Mädchen erklomm einen Hügel und überlegte, wie sie ihrer Familie beibringen konnte, dass sie den ganzen Streit satthatte und wollte, dass einer dem anderen wieder besser zuhörte. Sie kam an einem Teich vorbei. Ein Frosch quakte und ein grüner Edelstein fiel aus seinem Mund. «Oh, wie schön», rief das Mädchen, «was ist das für ein Stein?». «Er steht für die Liebe», erwiderte der Frosch, «und heilt dein trauriges Herz.»
Das Mädchen lief weiter einen Hügel hinauf und sie stellte sich vor, wie ihr Herz in eine warme Decke gehüllt wurde. Es wurde schön warm und begann zu strahlen. Plötzlich trat ein Reh hinter einem Busch hervor, es schob mit seinem Huf einen blinkenden roten Edelstein über den Schnee. «Ach, ist der wunderschön, wofür steht der rote Stein?», wollte das Mädchen wissen. «Er symbolisiert Vertrauen», flüsterte das Reh und sprang mit leichten Sprüngen davon.
Das Mädchen erreichte ein nächstes Waldstück, in dem ihm ein Eichhörnchen begegnete. Es sammelte gerade Nüsse für den Winter. Das Mädchen wollte wissen: «Wie weisst du, Eichhörnchen, dass du immer Nüsse für den Winter finden wirst?» Das Eichhörnchen überlegte und antwortete dann leichthin: «Ich weiss es nicht, aber ich vertraue darauf und daher finde ich immer welche.» Das Mädchen staunte und das Eichhörnchen lächelte: «Schau, dieser orange Edelstein ist für dich. Er wird dir dabei helfen, für jedes Problem eine Lösung zu finden, seine Bedeutung ist die Kreativität.» Das Eichhörnchen huschte auf den Baum und das Mädchen freute sich über den orangen Stein in ihrer Lieblingsfarbe. Sie begann schöne Zweige und Nüsse zu sammeln, mit denen sie zuhause den Adventskranz schmücken konnte. Und tatsächlich fand sie immer mehr Zweige und schöne Eichelnüsschen, die dafür passen würden. Als sie alle Taschen vollgesammelt hatte, wurde es schon langsam dunkel. Das Mädchen wusste nicht mehr so genau, wo sie war, und sie begann zu weinen. Da setzte sich die Eule neben sie und unter ihrem Flügel blinkte ein dunkelblauer Stein. «Nimm diesen blauen Edelstein mit, er weckt deine Intuition, mit ihm wirst du bestimmt wieder nach Hause finden.»
Das Mädchen fasste wieder Mut, verstaute alle ihre Edelsteine in der Holzkiste und schaute in den Himmel, da blinkte ein Stern bläulich, also folgte sie ihm. Nach einiger Zeit merkte sie, dass sie sich wieder in der Nähe ihres Dorfes befand. Allerdings rauschte ein Bach vor ihr. Es war plötzlich sehr kalt und der Bach würde sie mitreissen, sie konnte ihn nicht durchqueren. Wieder setzte sie sich hin und begann bitterlich zu weinen. Denn nun konnte sie aus eigener Kraft nicht mehr weiter und nach Hause finden. Da landete ein Rabe mit schwarzgrünlich glänzendem Gefieder neben ihr und krächzte: «Was weinst und jammerst du denn. Hier nimm diesen violetten Edelstein! Er wird dich führen, denn er bedeutet, dass du nie den Glauben an dich und die höheren Mächte verlieren sollst.»
Das Mädchen nahm den violetten Stein dankbar entgegen, trocknete ihre Tränen und hielt ihn fest in ihrer Hand. Sie ging am Bach entlang. Und tatsächlich, nicht lange, da erschien eine kleine Brücke, die über den Bach führte. Das Mädchen hüpfte freudig hinüber und sank vor ihrem hell beleuchteten Dorf in den Schnee, sie sah, wie ihr Elternhaus schön erleuchtet war. Sie klappte die kleine Holzkiste auf und als sie den letzten Stein in die Kiste gelegt hatte, begann diese in hellem Licht zu strahlen. «Heute, habe ich viel gelernt», dachte sie, «über Dankbarkeit, Entschlusskraft, Liebe, Vertrauen, Kreativität, Intuition und Glauben.» Und eine tiefe Freude kam in ihr auf, als sie an der Tür klopfte und zuhause über die Schwelle trat. Zu ihrer Familie sagte sie: «Heute wollen wir dankbar sein. Da ich euch alle liebhabe, weiss ich, dass wir etwas miteinander machen können, ohne zu streiten. Hier habe ich viele Zweige und Nüsse mitgebracht, lass uns miteinander einen Adventskranz basteln!» Das Mädchen wusste, dass sie so ihre Familie an einen Tisch bringen konnte und da sie daran fest glaubte, setzten sich auch die Mutter, der Vater und ihre beiden Brüder. Sie begannen alle gemeinsam am Adventskranz zu basteln und assen Guetzli. Ihre Augen leuchteten im Kerzenlicht und keiner dachte mehr an Streit.

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